Rezension in "ekz-Informationsdienst" 6/03
"ekz-Informationsdienst" – eine Zeitschrift für
Bibliotheken
Von Gert Kreusel
Ein "Fremder" ist Köpruner nur anfangs. Die vielfältigen
Bindungen des Vorarlbergers zum einstigen Jugoslawien sind eng
und seine "Reisen" 1990 bis 2000 nicht die eines Touristen.
So kann er fast intim, sehr emotional, dennoch mit der Distanz
des Gastes Erschreckendes erzählen und reflektieren. Sein
Hauptthema ist die Gleichschaltung der Medien und die Verlogenheit
von Politikern in Deutschland und Österreich. "Fassungslos"
registriert er eine "unglaubliche Manipulation" der
"kriegstreibenden" westlichen Berichterstattung. Ein
nicht unaktuell gewordenes Thema, gerade nach dem letzten Irak-Krieg.
Das Lesebuch zur Jugoslawien-Geschichte ist anders als viele zuvor;
erfrischend und spannend beim Hinterfragen, mit Nähe zur
erzählenden Prosa – somit ein guter Einstieg für
Leser (ab 17) mit nur vagen Interessen und Kenntnissen. Hochgepriesen
u. a. von Handke (gerechter mit den Serben wie er – P. Handke,
BA 6/99), und P. Glotz. Umfassendere Analysen ersetzt es nicht.
Erschien schon 2001 bei Espresso (nicht angezeigt), nunmehr laut
Verlag "überarbeitet und aktualisiert" –
die Zeittafel endet allerdings 2001.