Reisen in das Land der Kriege.
Erlebnisse eines Fremden in Jugoslawien
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Rezension von Dr. Gudrun Eussner
Autorin bei www.trend.partisan.net, bei www.idgr.de und bei www.hagalil.com
Wenn einer eine Reise tut, dann
kann er was erzählen ....
Kurt Köpruner im fremden Lande Jugoslawien
Sagt Ihnen der Name Osama bin Laden noch etwas?
Sie erinnern sich noch dunkel an das Monster, das seinen Häschern
tot oder lebendig $ 25 Millionen einbringen sollte? Sie haben inzwischen
unverrückbare Nachricht, daß dieser Osama seinerzeit,
ab 1979, so bis Mitte der 90er Jahre zunächst ein Hätschelkind
der USA war in ihrem Stellvertreterkrieg gegen die Sowjetunion und
dann in ihrem Bestreben, den Erdölreichtum Zentralasiens zu
Schleuderpreisen für sich auszubeuten?
Dann können wir gleich weitermachen mit Slobodan Milosevic,
dem nächsten Monster, das Ihnen sicher präsent ist, denn
es steht nun vor dem NATO-Tribunal "International Tribunal
for the Prosecution of Persons Responsible for Serious Violations
of International Humanitarian Law Committed in the Territory of
the Former Yugoslavia Since 1 January 1991 (ICTFY)". Der ausführliche
Titel dieser Institution zeigt bereits, daß es sich um ein
Sondergericht mit Schauprozeß und Sondergesetzgebung handeln
muß, einen Ort zur Durchsetzung der "Lex Slobo".
Wie könnte es anders sein, war dieser jetzt von den USA und
der "internationalen Staatengemeinschaft" Geächtete
vor seinem Politaufstieg Bankier mit besten US-Kontakten. Noch bis
zum Vertrag von Dayton, November 1995, war Slobodan Milosevic ein
angesehener Verhandlungspartner der USA, die in ihm einen Garanten
der Ordnung sahen. Wer's nicht glaubt, lese zu diesem Thema den
Bericht des US-Staatssekretärs und Chefunterhändlers für
Bosnien Richard Holbrooke: "Meine Mission", in Übersetzung
erschienen in München 1998, also zu einer Zeit, als die jetzt
in der Anklageschrift aufgelisteten Milosevic-Verbrechen an den
Albanern in Serbien/Kosovo ebenfalls bereits lange bekannt gewesen
sein mußten. In Deutschland und seinen Medien hatte Milosevic
allerdings bereits seit Anfang der 90er Jahre einen schlechten Ruf.
Das kam wohl daher, daß er den deutschen Interessen entgegenstand,
die schon damals völlig andere waren als die der USA..
Diese und andere Informationen über das soziale, politische
und militärische Geschehen in Ex-Jugoslawien erhalten wir in
dem kompetent und mit sehr viel Liebe für Land und Leute geschriebenen
Buch von Kurt Köpruner: "Reisen in das Land der Kriege.
Erlebnisse eines Fremden in Jugoslawien", erschienen im Espresso-Verlag
Berlin, August 2001.
Der Autor fängt, möchte frau sagen, sein Buch ganz harmlos
an: mit der Liebe zu einer Kroatin, im damaligen Jugoslawien. Aber,
wie das so ist mit der Liebe, sie macht den einen blind, den anderen
sehend. Letzteres trifft für Kurt Köpruner zu. Er, bis
1989 Vorarlberger Gewerkschaftsfunktionär, dem Jugoslawien
zunächst eher aus seinen Besuchen folkloristischer Veranstaltungen
der dort lebenden ca. 20 000 Jugoslawen bekannt war, hatte im Rahmen
seiner neuen Maschinenbau-Tätigkeit mit einer Kroatin verhandelt
und sich in sie verliebt. So wurde er zunächst in das Kriegsgeschehen
in Kroatien verwickelt.
Wie der deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher vom
Befürworter des Erhalts Jugoslawiens zum Anwalt für dessen
Zerschlagung wurde, wie die Regierung Kohl/Genscher im Einvernehmen
mit der deutschen Industrie die lukrativen Batzen Slowenien und
Kroatien an sich brachten, mit dem allen wurde der Autor als Privatmensch
hautnah konfrontiert. Da half ihm nur eines, sich sachkundig zu
machen über die Zusammenhänge. Das hatte zur Folge, daß
er zunehmend große Diskrepanzen zwischen seiner eigenen Anschauung
und sowohl der internationalen Politik gegenüber Jugoslawien
als auch der deutschen Berichterstattung zum Thema fand.
Davon handelt das Buch, und mit zunehmender Sachkenntnis des Autors
werden die Zusammenhänge, die Gründe zur Zerschlagung
Jugoslawiens, zur Verteufelung Milosevic' und aller Serben immer
klarer. Von Krieg zu Krieg, von Kroatien 1991-1995, über Bosnien
1992-1995, und schließlich Serbien, 1998-1999, erkennt er
immer schärfer die hinter den leeren Reden der "internationalen
Staatengemeinschaft" verborgenen wahren Interessen.
Am Ende weiß frau eines: mit der Erhaltung und Wahrung von
Menschenrechten, mit Demokratie und gar mit Fürsorge für
die im ehemaligen Jugoslawien lebenden Menschen haben die völkerrechtswidrigen
Kriegshandlungen der NATO nichts zu tun.
Besonders faszinieren mich die Ausführungen im Kapitel "Ruder
Finn - oder: Dementis sind wertlos" (S. 159 ff.) Darin wird
der französische Journalist Jacques Merlino zitiert, der auf
die in Washington ansässige Firma Ruder Finn stieß. Sie
verdient ihr Geld mit der Verbreitung von Nachrichten.. Der Firmenchef
plauderte aus der Schule, wie er für seine Auftraggeber Nachrichten,
ob wahr oder erfunden, schnellstens an ausgewählte Multiplikatoren
streut, und daß "nur zählt, was einmal behauptet
wurde. Dementis sind dagegen völlig unwirksam."
In Köpruners Buch kann man nachlesen, wie die Balkan-Arbeit
dieser Firma gewirkt hat. Besonders stolz sei die Firma gewesen
,
die Juden der USA auf die Seite der "internationalen Staatengemeinschaft"
und deren Absichten zu ziehen. Das muß eine Kunst gewesen
sein, denn wie der Antisemitismus in Kroatien und Bosnien Zehntausende
von Juden in kroatischen Lagern vernichtet hat, konnte dem Gedächtnis
der Entkommenen und der Nachkommen nicht entfallen sein. Der Trick
war, in der New Yorker Zeitung "Newsday" die Ereignisse
in Kroatien, im August 1992, umzuschreiben und über angebliche
serbische Lager zu berichten. Dieses Reizwort reichte aus, um drei
große jüdische Organisationen aufzubringen. Protestkundgebungen
wurden organisiert und die Serben wurden "im Handumdrehen"
mit den Nazis gleichgesetzt. Dies berichtet der Ruder Finn-Firmenchef
voller Stolz. Die Lager wurden allerdings niemals gefunden, da es
sie nicht gab.
Pikant wird das alles zusätzlich dadurch, daß die amtierende
Außenministerin Madeleine Albright und ihr Vater seinerzeit,
im Zweiten Weltkrieg, von Serben versteckt und so der Vernichtung
durch die Nazis entzogen wurden....
Köpruner berichtet zum Schluß über die Zeit nach
Beendigung des 78-Tage-Krieges, über die leeren Versprechungen
von Clinton, Schröder, Chirac und Blair, die im Sommer 1999
in Sarajevo eine Wiederaufbauhilfe für das durch den NATO-Krieg
zerstörte Jugoslawien versprachen: Paroli, Paroli.
Wir wissen heute, daß abgehalfterte Westpolitiker auf den
Balkan abgeschoben werden. Hombach, Westendorp, und wie sie heißen,
verwalten auf Steuerzahlerkosten die Trümmer. Der Autor berichtet,
wie sich Deutschland unliebsame Konkurrenten aus Bosnien und den
anderen Republiken Jugoslawiens vom Hals hält, in dem die Deutschen
Botschaften Visagesuche von Geschäftsleuten ablehnen oder den
Prozeß schon von Anfang an so schwierig gestalten, daß
eine Einreise unmöglich wird. Verdienen tun auf dem Balkan
die deutschen Geschäftsleute. Die Währung war dort jahrelang
die Deutsche Mark.
In Bosnien blüht auch das Geschäft der US-Amerikaner für
die NATO. Der Balkan ist eine lukrative Gegend für die Unternehmen
der "internationalen Staatengemeinschaft".
Dem Kosovo und dem 78-Tage-Krieg der NATO gegen Jugoslawien widmet
der Autor hundert Seiten. Die zu lesen, ist ein absolutes "Muß".
Die Rolle des angeblich gemäßigten "Präsidenten"
des Kosovo (die Albaner nennen es "Kosova") Ibrahim Rugova,
seit Anfang der 90er Jahre, die der Gangsterbande UCK und ihres
seit 1996 wütenden Terrors gegen Serben, sowie auch Slobodan
Milosevic' und anderer Größen wird deutlich.
Mit fortschreitender Lektüre reist der Leser in das brutale
Land der westlichen Interessen, er erkennt die Funktion der Balkankriege
zur Rechtfertigung des Weiterbestehens der NATO nach dem Zerfall
der Sowjetunion, zur Ausdehnung der US-Hegemonie in einem ideologiefreien
Raum und in Richtung auf die Bodenschätze der Kaspischen Region,
zur Sicherung der Unternehmergewinne der "internationalen Staatengemeinschaft",
und dabei hauptsächlich der deutschen Unternehmen. Dafür
wurden Völkerrecht und das Grundgesetz gebrochen sowie die
UN-Charta außer Kraft gesetzt. Über die "hehre"
Rolle des Außenministers Joseph Fischer läßt das
Buch keinen Zweifel offen. Er wußte schon spätestens
im August 1998, welche Pläne die USA hatten. Ausführlich
wird auch die Karriere des Chefunterhändlers von Rambouillet,
des Österreichers Wolfgang Petritsch, des Förderers von
Hashim Thaci, dargelegt.
Das Buch läßt nichts aus. Zum Schluß erleben wir
den abenteuerlustigen Autor Kurt Köpruner noch als Tourist
im Kosovo, im Oktober 2000. Von der Vertreibung der Serben, Roma
und Juden sowie der Zerstörung der serbischen mittelalterlichen
Kirchen berichtet in den westlichen Medien niemand. Auch die fehlenden
Massengräber scheinen niemanden zu interessieren. "Where
are the Kosovo Killing Fields?" hatte der US Think Tank STRATFOR.com
schon am 17. Oktober 1999 gefragt. Die Antwort bleiben die Kriegstreiber
bis heute schuldig. Was Ruder Finn einmal ins Bewußtsein der
Massen gebracht hat, wird auch durch ein noch so lückenloses
Dementi nicht vertrieben.
Wird uns das eine Lehre sein, wenn wir die Lügen der Medien
über den "Antiterrorkrieg" der USA in Afghanistan
und in den anderen "Schurkenstaaten" zugemutet bekommen?
Ich fürchte, nein!
06. März 2002
Quelle: http://www.trend.infopartisan.net/trd1102/t121102.html |
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