Rezension
in "EXZESS" 2/2002
Magazin des Jugendwerkes der Arbeiterwohlfahrt
Reisen in das Land der Kriege
Von Mark Unbehend
Mit seinem Buch "Reisen in das Land der Kriege" bietet
Kurt Köpruner eine anschauliche Schilderung der jüngsten
Kriege am Balkan und der damit verbundenen Zersetzung Jugoslawiens.
Der ehemalige SPÖ-Funktionär und Gewerkschaftssekretär
beschreibt autobiographisch und in Romanform die Entwicklung auf
dem Balkan zwischen 1990 und 2000. Das Buch erzählt in persönlicher
Weise von Köpruner erlebte Ereignisse und erzeugt so eine
romanartige Spannung, die den Leser und die Leserin nie aus ihren
Fängen entlässt. Viele einzelne Episoden, Einzelschicksale
von Geschäftspartnern Köpruners, aber auch von Freunden
und Zufallsbekanntschaften, ermöglichen den Einblick in viele
unterschiedliche Perspektiven auf die Balkan-Krise und die Relativität
der Darstellung des Krieges. Der Autor bleibt dabei immer "auf
Augenhöhe" mit den Leser/innen. Es ist erstaunlich,
wie auf diesem Wege gleich zeitig ein Wissen um politische Fakten
ermöglicht wird. Köpruner bringt seine Kritik und seine
Zweifel an dem "Mainstream" der medialen Darstellung
des Krieges sowie an der Rolle der deutschen Außenpolitik
immer wieder deutlich zum Ausdruck. Er analysiert scharfsinnig
und doch mit einer sympathischen Naivität die abrupten Wechsel
in der deutschen Politik: "Erstmals wurde mir diese Wende
durch ein Genscher-Interview, in dem dieser auf einmal - entgegen
seiner sonstigen Gepflogenheiten, mit vielen schönen Worten
wenig zu sagen - in scharfen, schon fast gehässigen Formulierungen
[...] gegen die Serben Partei ergriff, diese als alleinige Aggressoren
bezeichnete und schärfste Konsequenzen forderte beziehungsweise
ankündigte. Ich glaubte, meine Ohren nicht trauen zu können,
zumal Genschers Aussagen in krassem Gegensatz zu den anderen EU-Staaten
standen, namentlich im Gegensatz zu jenen Frankreichs, Englands,
Italiens, Hollands und Luxemburgs."
Peter Glotz, der das Vorwort zu Kurt Köpruners Buch verfasst
hat, fasst das erzählerisch vermittelte Gefühl des Buches
treffend zusammen: "All es in allem aber wünscht man
Köpruners Buch eine große Verbreitung. Es ist das Ergebnis
des autonomen Nachdenkens eines engagierten (in diesem Fall österreichischen)
Bürgers, der weder der Gesinnung Alois Mocks noch dem Praktizismus
Hans Dietrich Genschers oder Richard Holbrookes verfiel, sondern
sich ein eigenes Bild machte."