Rezension in "Financial
Times Deutschland", 7. Dezember 2001
Unter Kriegern
Von René Martens
Wer seit 1990 die Berichterstattung über die Kriege im ehemaligen
Jugoslawien verfolgt hat, der konnte nur zu einem Schluss kommen:
Schuld sind die Serben. Kurt Köpruner, als Maschinenbauunternehmer
seit zehn Jahren auf dem Balkan unterwegs, hat sich darüber
stets gewundert: Fast alles, was er las, stand in kompletten Widerspruch
zu seinen Erlebnissen in Jugoslawien, in Kroatien, in Bosnien
und im Kosovo. So begann er, systematisch zu recherchieren, nicht
als Journalist, sondern als Geschäftsmann und Tourist. Sein
Buch liest sich in weiten Teilen wie eine politisch aufgeladene
Reisereportage. Köpruner zeigt die wirtschaftlichen Ursachen
der Konflikte auf und rekapituliert Kriegsgräuel der Kroaten,
Slowenen und Muslime. Dafür greift er zurück auf Kontaktpersonen
oder nutzt unbestechliche Quellen. Er geriert sich nicht als Fachmann,
sondern ist in erster Linie ein neugieriger Bürger. Eine
ideale Perspektive: Gerade in Zeiten, in denen Frieden klingt,
wie ein Begriff aus einer untergegangenen Welt, hilft sein Buch
Kriegspropaganda von Berichterstattung zu unterscheiden.