Reisen in das Land der Kriege.
Erlebnisse eines Fremden in Jugoslawien
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Rezension in "German-Foreign-Policy-com",
8. Mai 2003
(Internetportal zur Deutschen Außenpolitik)
Kurt Köpruner: Reisen in
das Land der Kriege
In den 1990er Jahren wurde Südosteuropa in eine Reihe von verheerenden
Bürgerkriegen getrieben, die in die Zerschlagung der Volksrepublik
Jugoslawien und den NATO-Krieg gegen den Balkanstaat mündeten.
Maßgeblich vorangetrieben wurde die völkische ,,Neuordnung"
von der deutschen Außenpolitik, deren Propagandisten unermüdlich
die Befreiung der ,,unterdrückten Völker" und ,,Volksgruppen"
aus dem verhassten ,,Völkergefängnis" forderten.
Die rot-grüne Bundesregierung, die Deutschland heute als ,,Friedensmacht"
gegen die USA zu profilieren versucht, führte dabei erstmals
nach dem Zweiten Weltkrieg das deutsche Militär in einen Krieg
– den zusammen mit den USA geführten Angriffskrieg gegen
Jugoslawien.
Der Autor, Manager eines deutschen Maschinenbauunternehmens, unterhielt
im vergangenen Jahrzehnt vielfältige geschäftliche und
private Kontakte in Jugoslawien; zahlreiche Reisen führten
ihn in die verschiedensten Teile des Landes. Aus eigener Anschauung
schildert er die blutigen Auswirkungen der Separierung der Bevölkerung
Jugoslawiens nach ,,ethnischen" Kriterien – und wie die
deutsche (und österreichische) Außenpolitik diesen Spaltungsprozess
durch die verschiedenen Bürgerkriege bis zur Zerschlagung Jugoslawiens
vorantrieben.
Köpruner stellt seine Erlebnisse und Erkenntnisse in einen
größeren geschichtlichen Zusammenhang. Er erinnert an
das Jahr 1899: Damals schlossen sich alle militärischen Großmächte
der Erde zusammen und führten gemeinsam Krieg, gegen den ,,Boxer"-Aufstand
in China, dessen Bewohner sich nicht mehr von den Kolonialmächten
mit Opium vergiften und anderweitig drangsalieren lassen wollten.
Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen; angesichts der Wende
in der internationalen Bündnispolitik - der gemeinschaftlichen
Mordaktion im fernen China – entstand die Erwartung, dass
die großen Mächte künftig Kriege nicht mehr gegeneinander
führen würden, sondern nur noch gemeinsam (gegen ,,böse"
Mächte auf der Erde). Es kam ganz anders – in den Kriegen
der folgenden hundert Jahre wurden weitaus mehr Menschen getötet
als in den zahllosen Kriegen der Jahrtausende zuvor.
Hundert Jahre später schlossen sich erneut die mächtigsten
Staaten der Erde als ,,Weltpolizei" zusammen, diesmal in Europa.
Der NATO-Überfall auf Jugoslawien wird als der erste Krieg
der Weltgeschichte bezeichnet, der ausschließlich mit der
angeblichen Durchsetzung der ,,Menschenrechte" legitimiert
wurde. Der Autor allerdings fürchtet, dass künftige Generationen
über diesen Gemeinschaftskrieg nicht anders urteilen werden
als über den Gemeinschaftskrieg gegen den ,,Boxer"-Aufstand
hundert Jahre zuvor. Er stellt sich die bange Frage, ob denn das
Bündnis der Mächtigen diesmal länger halten wird
– oder ob womöglich ein noch blutigeres 21. Jahrhundert
bevorsteht. Der Angriffskrieg gegen den Irak und die darüber
weiter zugespitze Konkurrenz zwischen deutsch-europäischen
und US-amerikanischen Weltmachtansprüchen zeigen, dass diese
Frage nur zu berechtigt ist.
Quelle: http://www.german-foreign-policy.com/de/news/article/1052346901.php
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