Reisen in das Land der Kriege.
Erlebnisse eines Fremden in Jugoslawien



Grüne Bildungswerkstatt Tirol
Bericht über eine Lesung in Innsbruck


siehe: http://www.gruebi-tirol.at/bericht.html

Lesung und Diskussion mit dem Autor des Buches "Reisen in das Land der Kriege"

Am 10.06.2002 um 19:30 im ÖGB Saal Innsbruck
Ca.29 TeilnehmerInnen

Kurt Köpruner, geb. 1951 in Bregenz, übersiedelte im Alter von 38 Jahren nach Deutschland, wo er eine Firma gründete und leitete, die im Bereich der internationalen Beschaffung von Maschinenbauteilen arbeitete. Diese Tätigkeit führte ihn seit 1990 häufig in verschiedene Regionen des früheren Jugoslawiens. Vielfältige geschäftliche und private Kontakte ließen ihn den Zerfall Jugoslawiens intensiv miterleben und insbesondere die große Diskrepanz zwischen dem, was er selbst an Ort und Stelle erlebte, und dem, wie in Deutschland und Österreich darüber berichtet und – darauf aufbauend – Politik gemacht wurde, veranlasste ihn schließlich, seine Eindrücke niederzuschreiben.

Ein Fremder, der heute mit offenen Augen durch das Land reist, das noch vor gut zehn Jahren "Jugoslawien" hieß, wird erschütternde, merkwürdige aber auch schöne Erfahrungen machen. Er wird durch entvölkerte Landstriche kommen, in denen alles Bewohnbare in Trümmern liegt, durch Zonen, in denen ausländische Soldaten ihre Manöver abhalten und die Menschen daran hindern, sich gegenseitig umzubringen, durch quirlige Städte, wo neben einigen wenigen Luxuslimousinen alte Schrottwägen das Bild prägen. Er wird ländliche Gebiete sehen, in denen die Menschen ausschließlich von dem leben, was ihre Erde hergibt. Industrieruinen werden ihm ins Auge stechen, die einstmals zehn Tausende Familien ernährten, heute nur noch auf ihren endgültigen Zerfall warten. Flüchtlingslager könnte er besuchen, wo Hunderttausende, ungeliebt und ohne jede Perspektive, dahinvegetieren, die allerdings in diesem Fall kein westliches Kameraauge je erfasste. Und überall er wird erschütternde Geschichten hören, vom Krieg, von Vertreibung, von Hass, Verzweiflung und Ausweglosigkeit. Angesichts des nicht vorstellbaren Leides, von dem fast alle seine Gesprächspartner erzählen, wird er nicht begreifen können, was die Menschen auch heute noch freundlich sein und lachen lässt. Und er wird nicht verstehen, wie sie überleben, haben sie doch im Durchschnitt nur mehr ein Fünftel dessen zum Leben, was ihnen in den achtziger Jahren zur Verfügung stand.

Kurt Köpruner verwies in seinem Vortrag immer wieder auf die Rolle von Europa, insbesondere Österreich und Deutschland, in diesem Krieg und schildert den Zerfall Jugoslawiens von Beginn an.

Eine Kooperationsveranstaltung zwischen GBW Tirol, FSG und KPÖ