Reisen in das Land der Kriege.
Erlebnisse eines Fremden in Jugoslawien


Rezension der Bewegung für ein neutrales und unabhängiges Österreich
(http://www.janeutral.com/)

Reisen in das Land der Kriege.
Erlebnisse eines Fremden in Jugoslawien.


Kurt Köpruner beschreibt in diesem ausgezeichneten Buch Erlebnisse und Erfahrungen, die er im Laufe von 10 Jahren, während vieler Reisen nach Jugoslawien, gesammelt hat.

Er verbindet geschickt persönliche Erlebnisse mit den dazugehörigen Hintergrundinformationen. Durch praktische Vergleiche mit der Situation in Österreich und Deutschland gelingt es ihm, dem Leser die Vorgänge in Jugoslawien leicht verständlich vor Augen zu führen und den Widersinn der undiferenzierten antiserbischen Hetze aufzuzeigen.

Für den Autor gibt es keine von vornherein feststehenden Schuldigen, er lässt die Betroffenen selbst zu Wort kommen und überläßt es dem Leser, eigene Schlußfolgerungen aus den Fakten zu ziehen.

Durch den chronologischen Aufbau seines Buches macht er den Leser mit der Situation vor den Kriegen in Jugoslawien bekannt, zeigt die Faktoren, die zur Eskalation der Lage geführt haben und benennt auch die Schuldigen, die aus dem Ausland maßgeblich zum Krieg beigetragen haben. So hat zum Beispiel Deutschland nicht nur durch seine Außenpolitik (Anerkennung Kroatiens als eigenen Staat) direkt zum Ausbruch des Krieges in Jugoslawien beigetragen. Deutsche kämpften von Anfang an gemeinsam mit oder in der HOS, einer kroatisch-faschistischen Organisation gegen die jugoslawische Armee, viele Waffen und Uniformen der HOS stammten aus Deutschland.....

Köpruner zeigt, wie sehr damals innerhalb der EU die deutsche Parteinahme und Einmischung umstritten war, und wie der österreichische Außenminister Mock der deutschen Politik Schützenhilfe geleistet hat.

Er stellt den offiziellen Berichten Fakten gegenüber, zeigt wie einfach Medienhetze funktioniert, indem zuerst groß aufgemacht Gräuelmeldungen publiziert, die Berichtigungen sich aber dann nur noch im Kleingedruckten finden, frei nach dem Motto : "A bisserl was bleibt immer hängen!"

Ein Nato Offizier meinte zu dieser antiserbischen Hetzpropaganda offenherzig:
"Wenn wir wissen, dass es die Serben getan haben, dann sagen wir: Die Serben waren es. Wenn wir nicht wissen, wer es getan hat, sagen wir: Die Serben waren es. Und wenn wir wissen, dass es nicht die Serben waren, sagen wir: Wir wissen nicht, wer es war." (Köpruner, S.154)

Köpruner skizziert in seinem Buch sehr gut, wie durch Verhetzung, Panikmache und Angst ums eigene Leben Menschen sich gegen ihre Nachbarn wenden, oder zumindest, ohne sich einzumischen, zusehen wie ihre Nachbarn wegen ihrer Volkszugehörigkeit misshandelt werden. Er beschreibt, wie auch Menschen, die der Entwicklung Widerstand entgegensetzen wollten, nach und nach klein beigaben, und macht uns darauf aufmerksam, dass auch wir vermutlich nicht wüssten, wie wir in einer solchen Situation reagieren würden.

Die zynische Politik Deutschlands, das auf der einen Seite in offiziellen Berichten von ethnischen Säuberungen und Völkermord an Albanern im Kosovo spricht, aber auf der anderen Seite Asylanträge von Flüchtlingen aus der betroffenen Region mit der Begründung ablehnt, dass "die Kläger als albanische Volkszugehörige aus dem Kosovo weder im Zeitpunkt ihrer Ausreise noch im Falle ihrer jetzigen Rückreise einer asylerheblichen Gruppenverfolgung ausgesetzt waren" (Köpruner S.288), wird in diesem Buch ebenso schonungslos an den Pranger gestellt wie die Gräueltaten von kroatischer, serbischer und bosnischer Seite und nicht zuletzt der albanischen UCK.

Das Buch ist mitreissend geschrieben, schon nach einigen Seiten ist man gefesselt davon und kann es kaum mehr aus der Hand legen, bevor man es nicht fertig gelesen hat. Leider hat es auch einen Nachteil: Köpruner deckt die ökonomischen Hintergründe des Geschehens, die Macht- und Geschäftsinteressen der Großmächte, nur in Ansätzen auf. So stellt man sich oft die Frage nach den Gründen für die Handlungen der Beteiligten, weil die machtpolitische Motivation ihrer deutschen, US-amerikanischen oder sonstigen Hintermänner oft im Dunklen bleibt.

Durch Buch ist jedoch leicht lesbar und für ein großes Publikum geeignet, so dass es viele Menschen erreichen kann. Schade nur, dass es nicht schon etliche Zeit früher erschienen ist, während der Bombardements auf Jugoslawien hätte es eine enorm wichtige Rolle spielen können.

Zum Abschluss lassen wir den Autor selbst zu Wort kommen. Hier ein Zitat aus seinem Buch, dass er zwar in Bezug auf Jugoslawien geschrieben hat, das aber ebenso treffend die heutige Lage beschreibt, man denke nur an die "Allianz gegen den Terror".

"Das 20. Jahrhundert war erst wenige Monate alt, da ereignete sich in der Weltpolitik bisher nicht Dagewesenes: Alle militärischen Großmächte der Erde schlossen sich zu einer mächtigen Allianz zusammen und führten gemeinsam Krieg. Nachdem sie sich all di e vorangegangenen Jahrhunderte, in sieben-, dreißig-, ja hundertjährigen Kriegen gegenseitig bekämpft hatten, standen sie jetzt alle erstmals auf der gleichen Seite der Front: in Peking. Dort rebellierten Mitglieder einer religiösen Sekte - man nannte sie "Boxer" -,weil in ihre Köpfe nicht eingehen wollte, warum sie sich von den Kolonialmächten mit Opium vergiften und anderweitig drangsalieren lassen sollten. Sie forderten die Statthalter der Westmächte ultimativ auf, das Land zu verlassen. Das konnte man nicht durchgehen lassen und Kaiser Wilhelm verkündete die Devise: "Pardon wird nicht gegeben!" Wie Engländer, Franzosen, Deutsche, Österreicher, Amerikaner und andere diesen Boxern dann rasch gemeinsam Vernunft einbläuten - man hackte ihnen die Köpfe massenweise ab-, das kann man in Geschichtsbüchern nachlesen und Günter Grass hat es im ersten Kapitel von "Mein Jahrhundert" beschrieben.

Nach dieser beispiellosen Wende in der internationalen Bündnispolitik - der gemeinschaftlichen Mordaktion im fernen China - bestand die berechtigte Erwartung, dass die großen Nationen in der Zukunft Kriege, wenn überhaupt, nur noch gemeinsam führen würden: gegen irgendwelche "Derwische" oder andere "böse Mächte" der Erde. Man durfte hoffen, dass dem "zivilisierten" Teil der Welt ein sehr friedliches Jahrhundert bevorstehe.

Es kam, wie wir wissen, ganz anders. In den Kriegen der folgenden hundert Jahre sind weitaus mehr Menschen getötet worden als in all den zahllosen Kriegen der vergangenen Jahrtausende insgesamt - die wahrlich trostlose Bilanz eines Jahrhunderts. Und fast ist man geneigt an höhere Regie zu glauben, wenn wir nun sehen, dass das 20. Jahrhundert endet wie es begann: Wieder schlossen sich die mächtigsten Staaten der Erde als Weltpolizei zusammen..." (Köpruner S.16/17)

Aus den gemeinsamen Raubzügen imperialistischer Räuber kann auch heute sehr leicht der Dritte Weltkrieg dieser Räuber gegeneinander erwachsen: Die "Allianz gegen den Terror" ist nämlich absolut kein "einig Volk von Brüdern", denn an ihrer Spitze stehen die allerärgsten Weltwirtschaftskonkurrenten, die einander immer misstrauischer beäugen!

29. März 2002

http://www.janeutral.com/international/koepruner.html