Rezension in "mediodrom", 16. Januar 2002
Reisen in das Land der Kriege
Von Heinz
Kaas
Für den engagierten, historisch interessierten Mitteleuropäer
war die Situation auf dem Balkan in den Neunzigerjahren klar:
die Slowenen, Kroaten und Bosnier, später die Mazedonier
und Albaner wollten die Freiheit, die Serben aber ein vereintes
Jugoslawien, wo sie weiter den Ton angeben wollten. In den deutschen
und österreichischen Medien wurden die Serben unisono zu
den Brandstiftern, ja Massenmördern und Vergewaltigern erklärt.
Aber da gab es schon andere Stimmen: ein Peter Handke stellte
sich hinter die Serben, versuchte ihren Standpunkt zu erklären,
gegen Ende des Jahrhundert tauchten plötzlich Zeitungsmeldungen
auf, die die Opferzahlen bezweifelten und internationale Kommissionen
stellten fest, dass Massengräber mit wesentlich weniger Opfern
gefunden wurden, als ursprünglich angenommen wurde. Außerdem
wurden solche mit serbischen Opfern gefunden...
Kurt Köpruner legt nun sein Buch " Reisen in das Land
der Kriege", Erlebnisse eines Fremden in Jugoslawien, vor,
das neue Sachverhalte vorlegt und minutiös die Geschichte
der Nachfolgestaaten Jugoslawiens erzählt. Köpruner
ist Autodidakt, war vorarlberger Landtagsabgeordneter der SPÖ
und hatte zahlreichen Kontakt in seiner aktiven Zeit mit jugoslawischen
Gastarbeitern. 1989 machte er sich selbständig und besitzt
seit dieser Zeit einen Betrieb in Süddeutschland, wobei er
viele Kontakte zu Firmen in diesem Raum hatte. Er lernte seine
spätere Lebensgefährtin, eine Kroatin kennen, führte
zahlreiche Gespräche mit Betroffenen und Zeitzeugen, bereist
mehrmals die Region und beschäftigt sich intensiv mit der
Geschichte Jugoslawiens, des SHS-Staates, Serbiens, wie mit den
Ereignissen während des Zweiten Weltkrieges. Das Buch ist
äußerst spannend, gut geschrieben und regt zur Diskussion
an.
Vor allem die Politik Österreichs und Deutschlands, sowie
der USA wird kritisiert und die Zerschlagung Jugoslawiens als
Hauptgrund für die verlustreichen Kriege angesehen. Die Schuldigen
auf allen Seiten, vor allem bei den Kroaten, Bosniern und Albanern
werden ebenso genannt wie auch jene der Serben. Besonders bemerkenswert
ist, dass die Kroaten ein US-Informationsbüro engagierten,
welches Verbindungen zu den Medien, aber auch zu führenden
Senatoren und Abgeordneten hatte und entscheidend auf die Meinungsbildung
in den USA einwirkte. Interessant ist auch, dass Milosevics vor
den Bombardements einlenken wollte und nur eine Falschmeldung
der Albaner-Massenmorde, die niemals nachgewiesen werden konnten-
Grund für das Eingreifen der NATO-Luftstreitkräfte war.
Dadurch wurden vor allem zivile Ziele, aber nur wenige militärische
erreicht (nur 15 Panzer wurden vernichtet!).
Jeder geschichtlich Interessierte sollte dieses Buch lesen, das
mich ungemein beindruckt hat und das mich einmal mehr an der Objektivität
unserer Medien zweifeln ließ. Es geht um die Wahrheit, die
möglichst objektive Wahrheit. Das Buch hat mich sehr bewegt
und es würde mich freuen, wenn darüber eine Diskussion
entstehen könnte.