Reisen in das Land der Kriege.
Erlebnisse eines Fremden in Jugoslawien


Rezension in "Nürnberger Nachrichten" 18. September 2002

Die Erzählungen der kleinen Leute Ungefiltertes und ungeschminktes Bild der Konflikte in Jugoslawien

Von Armin Jelenik


Die Namen der Orte sind fast schon wieder im Nebel der Geschichte versunken: Srebrenica, Sarajevo, Racak – Synonyme für die grausamen Verbrechen während der Kriege im ehemaligen Jugoslawien und längst von Kabul in Afghanistan oder Dschenin im Nahen Osten aus den Schlagzeilen verdrängt. Wozu also noch ein Buch über den Jugoslawien-Konflikt? Weil die "Erlebnisse eines Fremden in Jugoslawien", wie Kurt Köpruner sein Buch "Reisen in das Land der Kriege bescheiden untertitelt hat, alles andere als der hundertste Aufguss der ewig gleichen blutrünstigen Geschichte ist.

Die große Stärke des Buches ist seine Naivität: Köpruner ist weder Historiker noch Politologe, sondern seit Anfang der 90er-Jahre als Vertreter für eine Regensburger Maschinenbaufabrik im langsam auseinanderbrechenden Jugoslawien unterwegs. Entsprechend schlicht ist der Aufbau des Buches: Der Österreicher Köpruner tut erst gar nicht so, als habe e r mit den Milosevics, Tudjmans und Izetbegovics gesprochen. Seine Informanten sind die Marktfrauen, Anhalter und Geschäftspartner, die er auf seinen zahllosen Reisen trifft.

Komplett und ausgewogen

Ungefiltert und ungeschminkt lässt Köpruner die Erzählungen der kleinen Leute auf sich und den Leser einprasseln, erst nach und nach beginnt er auch wissenschaftliche Quellen heranzuziehen. Das Bild des Krieges von der ersten Schüssen in Slowenien bis zu den Nato-Bomben auf das Kosovo ist dennoch bemerkenswert komplett und ausgewogen. Gnadenlos zerreißt Köpruner das Bild von den "guten Kroaten" und den "bösen" Serben.

An manchen Stellen lässt sich Köpruner zwar allzu sehr auf die Sichtweise der Serben ein. Doch gerade in einer Zeit, in der diese Vorfälle beim Prozess gegen Slobodan Milosevic in Den Haag wieder eine Rolle spielen, bietet der Autor damit wichtige Einblicke und erklärt sehr detailliert, warum viele vermeintlich faire Kompromisse für die Serben unannehmbar waren. Dass sich Köpruner dabei als geistvoller Erzähler entpuppt, der es wunderbar versteht, persönliche Erlebnisse mit der Weltpolitik zu verknüpfen, macht das Buch nur noch lesenswerter.