Rezension in "Wann & Wo",
12. Dezember 2001
Köpruner:
"Wir wurden gnadenlos belogen"
Von Ferdl Tschabrun
Der Bregenzer schrieb ein viel beachtetes Buch über den Krieg
in Jugoslawien
Kurt Köpruner, der ehemalige Landessekretär des ÖGB
in Vorarlberg, erntete für sein Buch "Reisen in das
Land der Kriege" sowohl Aufsehen in den Medien, als auch
beste Kritiken bei Experten. Seine Schilderung persönlicher
Erlebnisse im zerfallenden Jugoslawien, seine Einschätzung
vor allem der deutschen und österreichischen Politik und
seine Beurteilung der Rolle der Medien in diesem Konflikt sind
nicht nur äußerst informativ, sondern sehr, sehr spannend.
Auch nach zehn Jahren ist der Balken nicht zur Ruhe gekommen und
nach wie vor bewegen uns die Ereignisse dort. Der Kosovo-Krieg
und Mazedonien sind nur die aktuellsten Beispiele. Kurt Köpruner
macht nun in seinem "Reisen in das Land der Kriege"
die letzte Dekade in Ex-Jugoslawien überaus lebendig. Dabei
ist ein Buch entstanden, das nicht von einem "vorgefertigten"
Meinungsmacher geschrieben wurde, sondern von jemandem, dessen
Neugier ihn zum Experten werden ließ. "Ich hatte seit
1990 sowohl beruflich als auch privat sehr viel im ehemaligen
Jugoslawien zu tun", erzählt Autor Kurt Köpruner.
"Dabei musste ich feststellen, dass das, was mir Gesprächspartner
vor Ort erzählten und was ich mit eigenen Augen sah, überhaupt
nicht zudem Bild passte, das unsere Medien von den dortigen Konflikten
malten." Und so beschloss er, selber ein Buch zu schreiben:
"Ich wollte diese komplizierte Materie anhand meiner persönlichen
Erlebnisse aufbereiten."
Zweifel an der Darstellung
Köpruner schafft mit diesem Buch eine aufregende Geschichte,
die über eine Reiseerzählung hinausgeht. Er lässt
sich von allen Menschen, die ihm begegnen, ihre Version der Geschichte
erzählen und diese macht er mit feinem Gespür in seinen
Erzählungen greifbar. Je mehr er selbst vom Land gesehen
hat, desto mehr kommen ihm Zweifel an der medialen Darstellung
des Krieges. Gerade die deutschen und österreichischen Medien
haben früh einen eindeutigen Schuldigen für den Zerfall
des Vielvölkerstaats ausgemacht: die Serben. Von der Schuldzuweisung
zur Dämonisierung war es dann nur noch ein kleiner Schritt.
Köpruner legt unter diesem einfachen Bild ein wesentlich
komplexeres frei. Er erzählt von der "dalmatinischen
Kristallnacht", vom Mythos des multikulturellen Bosnien,
von seinem Weg in "Das neue Reich der Bösen" und
davon, wie man es schafft, als Tourist in den Kosovo zu gelangen.