Reisen in das Land der Kriege.
Erlebnisse eines Fremden in Jugoslawien


Kurzbesprechung in "Zeitschrift für Politikwissenschaft" 03/02

Spannend schildert Köpruner den kriegerischen Zerfall des früheren Jugoslawien, wobei er dem früh gefassten Vorsatz folgt, „alles zu hinterfragen, was mir, von wem auch immer, an Interpretationen aufgedrängt wurde“ (Seite 19). Seine zuerst geschäftlichen, dann auch privaten Kontakte vor allem nach Kroatien führten ihn häufig in die Gegend. So hatte er Gelegenheit, sehr viele Menschen unterschiedlichster Herkunft und politischer Ansichten kennenzulernen. Naiv fragend versucht er, während der geschilderten zehn Jahre „Antworten auf Fragen über Ursachen und Anlässe der Kriege“ (S. 19) zu bekommen, wenngleich diese kaum unterschiedlicher hätten ausfallen können. Während „im deutschsprachigen Blätterwald ein weitgehender Konsens über die serbische Alleinschuld“ (S. 72) herrscht, mehren sich Köpruners Zweifel an solch eingängigen Erklärungsmustern. Im zerfallenden Sozial- und Wirtschaftssystem seien es indes vielmehr radikale Nationalisten auf allen Seiten gewesen, die mit Gewalt auch den staatlichen Zerfall vorangetrieben hätten. Die unprätenziös dargestellte Metamorphose des Autors vom unwissenden Reisenden zum genauen Beobachter der Dynamik des Krieges ist es, die dieses Buch zu einem wertvollen Beitrag der zwischenzeitlich recht stattlichen Literaturliste zu den Kriegen auf dem Balkan werden lässt. Dem Leser bleiben schließlich glücklicherweise keine schwarz-weißen Gewissheiten.